Trotz anhaltender Zolldrohungen bleiben die USA im 250. Jahr ihres Bestehens ein wichtiger Handelspartner für Europa. Ungeachtet der Spannungen erreichte der Warenhandel zwischen beiden Seiten im vergangenen Jahr mit 875 Milliarden Euro einen historischen Höchststand, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die Exporte der EU in die USA stiegen um 7,7 Prozent auf 580 Milliarden Euro, während die Importe aus den USA in die EU um 2,2 Prozent auf 295 Milliarden Euro zunahmen. Der daraus resultierende EU-Handelsüberschuss näherte sich mit knapp 285 Milliarden Euro ebenfalls einem Rekordwert.

"Während die USA ein Vierteljahrtausend ihrer Unabhängigkeit feiern, stehen die transatlantischen Handelsbeziehungen an einem Wendepunkt", sagte IW-Expertin Samina Sultan mit Blick auf den 250. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten an diesem Samstag (4. Juli). Auf den ersten Blick könnten diese Rekordwerte darauf hindeuten, dass die unter Präsident Donald Trump eingeführten Zölle und politische Spannungen die zugrunde liegenden Wirtschaftsbeziehungen weitgehend unberührt gelassen oder sogar unbeabsichtigt intensiviert haben. "Dieser erste Eindruck ist jedoch irreführend", sagte Sultan.

EINBRUCH BEI FAHRZEUGEN

Einzelne Branchen leiden bereits deutlich. Besonders gravierend waren die Folgen des Handelskonflikts für den transatlantischen Kraftfahrzeughandel. Die gesamten EU-Exporte von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen in die Vereinigten Staaten gingen 2025 um 20,4 Prozent zurück. Maßgeblich hierfür war die deutsche Automobilindustrie: Sie steht für fast zwei Drittel (64,9 Prozent) der EU-Automobilexporte in die USA und verzeichnete allein einen Rückgang von 18,9 Prozent.

Die meisten EU-Mitgliedstaaten verzeichneten einen Rückgang ihrer Warenexporte in die Vereinigten Staaten. Lediglich Tschechien (+5,1 Prozent), Italien (+7,2 Prozent), Dänemark (+10,6 Prozent), Finnland (+10,8 Prozent) und Irland (+52,7 Prozent) konnten Zuwächse melden. Irlands kräftiges Plus wurde von zollbefreiten Pharma- und Chemieprodukten (+130,4 Prozent) getragen. Malta verlor 40,5 Prozent seiner US-Exporte, Österreich und Zypern jeweils mehr als 20 Prozent.

REKORD BEI DIENSTLEISTUNGEN

Auch der transatlantische Handel mit Dienstleistungen erreichte dem IW zufolge im vergangenen Jahr mit einem Volumen von 865 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Bemerkenswert ist dabei jedoch, dass die EU hier – anders als bei den Waren – ein Defizit von 178 Milliarden Euro hatte. Obwohl der Servicesektor bislang nicht direkt von US-Zöllen betroffen ist, wurde auch er vom Handelskonflikt belastet. So gingen bei den Reisedienstleistungen die Importe der EU aus den USA um etwa acht Prozent zurück. "Dieser Rückgang dürfte auf die gesunkene Zahl europäischer Touristen in den USA im vergangenen Jahr zurückzuführen sein", sagte Co-Autorin Galina Kolev-Schaefer.

Entgelte für die Nutzung geistigen Eigentums – darunter Markenrechte, Softwarelizenzen und Patente – machten mehr als 40 Prozent der gesamten Dienstleistungsimporte der EU aus den USA aus. Diese stiegen im vergangenen Jahr um 13,7 Prozent. Gleichzeitig erhöhten sich die Exporte von Leistungen im Bereich des geistigen Eigentums aus der EU in die USA um 9,3 Prozent. "Die gegenseitige transatlantische Abhängigkeit in diesem Dienstleistungssegment ist besonders hoch", sagte IW-Expertin Sultan. Dies sollte im Falle einer möglichen Ausweitung des aktuellen Handelskonflikts auf den Dienstleistungshandel berücksichtigt werden - etwa mit Blick auf den Zugang zu Dienstleistungen von US-Technologieunternehmen.