
Der bekannte Investor Jim Cramer fordert Anleger auf, bei AeroVironment (AVAV)-Aktien „vorsichtig zu sein“, obwohl der Drohnen-Spezialist am späten Jun. 29 starke Q4-Zahlen vorgelegt hat.
Das Unternehmen meldete erfreuliche Gewinne von $1.84 je Aktie für das vierte Quartal, während der Umsatz im Jahresvergleich auf ein Rekordniveau von $642 million mehr als doppelt so hoch ausfiel – beides über den Erwartungen der Street.
Anleger feiern die AeroVironment-Aktie zudem, weil der Verteidigungs-Technik-Auftragseingang im Q4 mit $1.2 billion an finanzierten Aufträgen endete – ein Anstieg von gewaltigen 65 %.
Gleichwohl liegt der Aktienkurs des Unternehmens im Vergleich zu seinem bisherigen Jahreshoch noch fast 60 % niedriger.
Warum Cramer zur Vorsicht bei AeroVironment rät
Jim Cramer rät vor allem wegen der bärischen Erzählung rund um AVAV-Aktien zur Vorsicht.
„Die Shortseller in dieser Angelegenheit sind so mächtig“, sagte er auf CNBC und fügte hinzu, dass sie fest davon überzeugt seien, AeroVironment habe für BlueHalo „zu viel bezahlt“.
Seiner Einschätzung nach notiert AVAV derzeit nahe einem Tief, und ein starkes Q4-Ergebnis könnte helfen, die Aktie im „Grünen“ zu halten. Er warnte jedoch, dass die Möglichkeit erheblicher kurzfristiger Volatilität infolge eines koordinierten Angriffs institutioneller Bären nach wie vor besteht.
Alles in allem bevorzugt der ehemalige Hedgefonds-Manager Wachsamkeit, weil die „Lügen, die über dieses Unternehmen erzählt wurden, und die Verfälschung der Wahrheit“ außergewöhnlich seien.
Bewertung und technische Indikatoren sprechen für Verkäufe von AVAV-Aktien
Abgesehen von der Sorge um Shortseller gibt es „technische Verwundbarkeiten“, die Gewinnmitnahmen bei AeroVironment-Aktien auf dem aktuellen Niveau rechtfertigen.
Zum einen handelt die Aktie aktuell zu einem vorausschauenden Kurs-Gewinn-Verhältnis (forward P/E) von etwa 37x, womit sie teurer zu halten ist als die besten KI-Aktien, einschließlich Nvidia, das nur bei etwa 22x liegt.
Diese Prämienbewertung lässt praktisch keinen Spielraum für operative Fehler, insbesondere in einem kapitalintensiven Luft- und Raumfahrtsektor.
Zudem liegt AVAV trotz der Kursrally nach den Zahlen klar unter seinen wichtigen gleitenden Durchschnitten, was die bestehende Abwärtstendenz untermauert.
Und AeroVironment zahlt derzeit keine Dividende, die Eigentum trotz dieser technischen Verkaufssignale attraktiv machen würde.
Die Wall Street bleibt bullisch gegenüber AeroVironment
Der abschließende Faktor, der die operative Perspektive von AeroVironment verkompliziert, ist die sich rasch verändernde ökonomische Landschaft moderner Drohnenkriegsführung.
Das Unternehmen hat sich historisch auf die Entwicklung komplexer, Premium-Klasse, sehr teurer unbemannter Luftfahrzeuge konzentriert.
Doch aktuelle Daten – unter anderem aus dem Ukraine-Krieg – zeigen, dass moderne Gefechte billige, wegwerfbare, massengefertigte First-Person-View-(FPV)-Drohnen den „hochmargigen“, maßgeschneiderten Militärsystemen vorziehen.
Wie Cramer in seinen abschließenden Bemerkungen prägnant zusammenfasste: „Wenn sie billigere Drohnen hätten, würde das helfen.“
Einfach gesagt: Solange das Management seine Produktpalette nicht erfolgreich um kostengünstige, volumenstarke Alternativen erweitert, die aktiv mit preiswerten internationalen Modellen konkurrieren können, riskiert AVAV, strukturellen Marktanteil zu verlieren.
Dennoch stuft die Wall Street AeroVironment weiterhin als „Strong Buy“ ein, mit einem durchschnittlichen Kursziel von etwa $295, was auf erhebliches weiteres Aufwärtspotenzial in den nächsten 12 Monaten hindeutet.