(neu: Kurse mit Nike-Gewinnen ins Plus gedreht, Evercore)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Eine schwache Umsatzprognose von Nike NYSE:NKE hat am Mittwoch die Kurse von Adidas XETR:ADS und Puma XETR:PUM nicht nachhaltig belastet. Bei dem US-Unternehmen setzte sich das vorbörsliche Minus im regulären Handel nicht fort. Nach leichten Verlusten in den ersten Minuten ging es schnell nach oben. Rund zweieinhalb Stunden nach Handelsstart legten die in den vergangenen Monaten schlecht gelaufenen Titel des US-Sportartikelherstellers in New York um mehr als vier Prozent zu.
Den Kursgewinnen von Nike am Mittwochnachmittag folgten in Europa dann auch die Titel von Adidas und Puma. Diese bewegten sich über weite Strecken bis zum Nachmittag klar im Minus, drehten im späten Handel aber noch ins Plus. Adidas-Aktien gewannen letztendlich 0,9 Prozent und Puma-Anteile sogar 1,6 Prozent.
Nike übertraf mit seinem Quartalsbericht trotz eines erneuten Rückgangs im chinesischen Markt überwiegend die Erwartungen. Der US-Konzern wies aber auf eine insgesamt trübe Branchenstimmung hin, und Analysten zeigten sich von einem gesenkten Umsatzziel enttäuscht. Dass die Aktie trotzdem stieg, dürfte der vorangegangenen Kursschwäche geschuldet sein. Bei 40 Dollar waren die Aktien zuletzt auf dem tiefsten Stand seit 2014 angekommen.
Trotz des Anstiegs am Mittwoch gab der Nike-Kurs im bisherigen Jahresverlauf um ein Drittel nach. Auf Sicht von fünf Jahren sackte er um fast 75 Prozent ab. Zum Vergleich: Die Adidas-Papiere gaben in dem Zeitraum ebenfalls kräftig nach - allerdings nur um etwas mehr als 40 Prozent. Puma verlor seit dem Sommer 2021 ebenfalls so viel wie der US-Konzern.
Nike-Finanzchef Matthew Friend hatte zur Zahlenvorlage von einem "zunehmend herausfordernden Geschäftsumfeld" gesprochen. Laut dem Analysten Matthew Boss von JPMorgan rechnet das Unternehmen im laufenden ersten Geschäftsquartal mit einem niedrigen bis mittleren einstelligen prozentualen Umsatzrückgang. In der Tendenz blieben die Amerikaner damit hinter der Konsensschätzung zurück, die bei einem Umsatzminus von 1,9 Prozent gelegen hatte. Das sei auch deshalb bemerkenswert, weil die laufende Fußball-Weltmeisterschaft großteils in dieses Geschäftsquartal falle.
Auch Analystin Brooke Roach von Goldman Sachs konstatierte, dass sich die Umsatzerholung erneut verzögere. Der vorsichtige Tenor mit Blick voraus überlagere positive Faktoren im abgelaufenen Quartal. Die Anleger müssten Geduld mitbringen. Unverändert blieb aber der Gewinnausblick, den einige Analysten anmerkten. Laut dem Evercore-Experten Michael Binetti konnte Nike damit "das Schlimmste abwenden", denn im Vorfeld der Zahlen sei ein "Worst-Case-Szenario" in den Aktien eingepreist worden.
Mit Blick auf Adidas und Puma erkannte Analystin Monique Pollard von der Citigroup auch Positives. So habe Nike in China die Lagerbestände abgebaut, womit der Druck nachlasse, Preisrabatte gewähren zu müssen. Das sei positiv auch für Adidas und Puma.
Pro Adidas dürfte laut Pollard auch das Wachstum im Segment Laufschuhe von Nike sprechen, zumal Adidas hier gegenwärtig starkes Wachstum verzeichne. Ähnliches gelte für die Verkaufszahlen von Nike vor der Fußball-WM. Diese lägen um das Zweieinhalbfache über den entsprechenden Werten vor der WM 2022 in Katar. Adidas sei im Fußball und auch als Sponsor stark präsent./bek/ag/jha/tih/he