Die neu entflammte Hoffnung auf niedrig bleibende Zinsen nach den jüngsten US-Arbeitsmarktdaten stützt die Börsen und belastet den Dollar. Der Dax XETR:DAX und der EuroStoxx50 VELOCITY:STOXX50 bauten nach der Veröffentlichung am Donnerstag ihre Gewinne aus und legten um 1,7 und 1,3 Prozent zu. Zuvor hatten sie rund ein und ein halbes Prozent im Plus gelegen. Nach oben ging es auch für die Futures für die wichtigsten US-Indizes CBOT_MINI:YM1!(EScv1) CME_MINI:NQ1! und für den Goldpreis TVC:GOLD, der sein Plus von rund einem Prozent auf 2,5 Prozent ausbaute. Edelmetalle verlieren tendenziell an Attraktivität, wenn die Zinsen hoch sind, da sie selbst keine Zinsen abwerfen. Unter Druck geriet hingegen der Dollar-Index, der um fast ein Prozent auf 100,587 Punkte abrutschte.

Unter dem Strich wurden in den USA im Juni nur 57.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg um 110.000 erwartet. Im Mai waren nach revidierten Daten nur 129.000 Arbeitsplätze hinzugekommen. Ursprünglich war eine Zahl von 172.000 gemeldet worden. Die an den Terminmärkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der US-Notenbank im September fiel nach dem Bericht auf rund 53 Prozent von zuvor 75 Prozent. Für den Zinsentscheid noch im Juli wird die Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung auf weniger als 20 Prozent geschätzt. Die US-Notenbank Fed versucht, mit erhöhten Zinsen die Inflation einzudämmen und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abzukühlen.

Zinssenkungen gehörten hingegen angesichts des anhaltenden Aufschwungs am US-Jobmarkt "ins Reich der Fabeln", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Dies wäre auch dann der Fall, wenn die Inflationsrate im Juni dank gefallener Ölpreise niedriger ausfallen würde. "Ein gutlaufender Arbeitsmarkt könnte zu steigenden Löhnen führen, und Zweitrundeneffekte aufgrund der höheren Energiepreise könnten ohnehin noch ins Haus stehen." Daher dürfte US-Notenbankchef Kevin Warsh weiterhin auf das Ziel der Preisstabilität verweisen und damit implizit die Möglichkeit von Zinserhöhungen andeuten. "Ob es allerdings hierfür eine Mehrheit im Offenmarktausschuss der Federal Reserve gibt, bleibt fraglich."