- von Maria Rugamer und Hakan Ersen
Das deutsche Verteidigungstechnologieunternehmen Quantum Systems gab am Donnerstag bekannt, dass es 1,2 Milliarden US-Dollar an neuen Finanzmitteln eingeworben habe. Damit wird der Drohnenhersteller mit rund 8 Milliarden US-Dollar bewertet – eine der bislang größten privaten Finanzierungsrunden für ein europäisches Verteidigungstechnologieunternehmen.
Die Bewertung ist rund achtmal so hoch wie vor einem Jahr. Das in München ansässige Unternehmen teilte mit, dass die Finanzierungsrunde von internationalen Investoren getragen wurde.
Die Finanzierung spiegele den rasanten Wandel des europäischen Verteidigungssektors in den letzten zwei Jahren wider, da Investoren zunehmend Unternehmen aus den Bereichen Drohnen, Software und autonome Systeme unterstützten, sagte Co-CEO Sven Kruck.
Das Unternehmen erklärte, die neuen Finanzmittel würden den Ausbau der Produktion in den Märkten der Verbündeten sowie die Entwicklung interoperabler autonomer Systeme unterstützen, die über das Software-Ökosystem „Mosaic UXS“ miteinander vernetzt sind.
Der Co-Lead-Investor Airbus EURONEXT:AIR, vereinbarte eine Vertiefung seiner strategischen Partnerschaft mit Quantum Systems, um Fähigkeiten der nächsten Generation zu entwickeln.
„NEO PRIMES“ TREIBEN UNTER DRUCK DIE ENTWICKLUNG VORAN
Der Aufstieg solcher Unternehmen stellt eine Herausforderung für eine Branche dar, die lange Zeit von etablierten Konzernen wie Rheinmetall XETR:RHM, Thales EURONEXT:HO und Leonardo MIL:LDO dominiert wurde.
Im Gegensatz zu etablierten Rüstungsunternehmen, die sich auf große, langfristige Programme wie das deutsch-französische Future Combat Air System (FCAS) und das Main Ground Combat System (MGCS) konzentrieren, haben Unternehmen wie Quantum Systems seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine von der steigenden Nachfrage nach schnell einsetzbaren Drohnen und autonomen Systemen profitiert.
„Wir werden diese Investitionen in Europa weiter vorantreiben“, sagte Kruck.
Der Drohnenhersteller Stark hat letzte Woche 500 Millionen Euro eingeworben. Der Konkurrent Helsing, das wertvollste Verteidigungs-Start-up der EU, wird voraussichtlich bald eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar abschließen, die das Unternehmen auf etwa 18 Milliarden US-Dollar bewerten könnte.
Der Investitionsschub folgt auf ein schwierigeres Umfeld an den öffentlichen Märkten für Teile des börsennotierten Verteidigungssektors.
Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS hat diese Woche unter Verweis auf die Marktbedingungen seine Pläne für einen Börsengang verschoben.