Südkorea will mit einem Mega-Investitionsprogramm seine Weltmarktstellung in der Chip- und KI-Branche festigen. "Wir müssen die Kernelemente der Künstlichen Intelligenz schneller als jedes andere Land sichern", sagte Präsident Lee Jae Myung am Montag in einer Fernsehansprache. Flankiert von den Chefs der Technologiekonzerne Samsung KRX:005930 und SK Hynix KRX:000660 kündigte Lee Investitionen von umgerechnet etwa 569 Milliarden Euro in neue Halbleiter-Fabriken an. Für den "großen Sprung nach vorn" solle weiteres Geld in Rechenzentren und sogenannte Physische KI fließen. Darunter verstehen Experten KI-gesteuerte Roboter.
Mit rund 455 Milliarden Euro stemmten Samsung und Hynix den Löwenanteil der Chip-Investitionen, erläuterte Südkoreas Wirtschaftsminister Kim Jung-kwan. Die weltweit größten Anbieter von KI-Hochleistungsspeichern planten den Bau neuer Produktionsanlagen im Südwesten des Landes. Dort gebe es Energie im Überfluss. Die Stadt Gwangju und die Provinz Süd-Jeolla würden die Ansiedlungen mit einem umgerechnet zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag fördern. Die Regierung strebe an, den Bau der Anlagen während Lees aktueller Amtszeit, die 2030 planmäßig abläuft, fertigzustellen.
WIRTSCHAFT UND POLITIK FORCIEREN PRODUKTIONSAUSBAU
"Um dem rasch wachsenden Bedarf an Halbleitern gerecht zu werden, müssen wir die derzeit im Bau befindlichen Produktionszentren zügig fertigstellen", betonte Lee. Der Regierung zufolge soll sich der Ausstoß südkoreanischer Halbleiter-Fabriken in den kommenden Jahren verdoppeln. Wegen des anhaltenden Baubooms bei KI-Rechenzentren sind Speicherchips sowohl für KI-Server als auch für PCs und Smartphones weltweit knapp. Der US-Konzern Micron NASDAQ:MU erwartet erst nach 2027 eine Entspannung der Lage.
Mit den Investitionen will Südkorea zudem die Konzentration seiner Wirtschaftskraft auf den Großraum Seoul verringern. Branchenexperten warnten jedoch, dass ein Mangel an Strom, Wasser und Fachkräften in Süd-Jeolla die Pläne verzögern könnte. "Um ein Projekt dieser Größenordnung erfolgreich umzusetzen, bedarf es außerordentlicher Sorgfalt", warnte Lee Jong-ho, Professor am Fachbereich für Elektrotechnik und Informationstechnik der Seoul National University.
Die südkoreanische Opposition kritisierte die Entscheidung, die neuen Chipfabriken im Südwesten des Landes anzusiedeln, als politisch motiviert. Bei der vergangenen Präsidentschaftswahl 2025 hatten 85 Prozent der Wähler in der Region Lee ihre Stimme gegeben. Südkoreas Präsident wies diesen Vorwurf zurück. Er steht jedoch innenpolitisch unter Druck. Seine Zustimmungswerte sind den Meinungsforschern von Realmeter zufolge zuletzt auf 46,5 Prozent gesunken.
RECHENZENTREN UND KI-ROBOTER SIND WEITERE ECKPFEILER
Parallel zu den Chip-Investitionen sollen bis 2029 umgerechnet 313 Milliarden Euro in neue KI-Rechenzentren fließen, kündigte Wissenschaftsminister Bae Kyung-hoon an. Darüber hinaus sollen weitere Forschungs- und Produktionseinrichtungen für KI-Roboter rund um die Stadt Saemangeum an der Westküste gefördert werden. Dort hat der Autobauer Hyundai KRX:005380 bereits investiert.
Die Ankündigungen verstärken den weltweiten Wettlauf um die Vormachtstellung bei Zukunftstechnologien. Auch die USA, China und die Europäische Union versuchen, mit Förderprogrammen ihre heimische Produktion auszubauen und die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern zu verringern. Für die stark exportabhängige südkoreanische Wirtschaft ist dies von entscheidender Bedeutung.