Nach der Preisexplosion durch den Krieg im Nahen Osten steuern die Ölpreise auf ihren stärksten Rückgang im Quartal seit Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 zu. Investoren setzen weiter auf eine Entspannung im viermonatigen Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die Nordseesorte Brent ICEEUR:BRN1! fiel am Dienstag zeitweise um bis zu 1,5 Prozent auf 72,04 Dollar pro Barrel. Im Juni verbilligte sich Brent bisher um rund 20 Prozent und fiel damit den dritten Monat in Folge. Im März hatte Brent nach dem Kriegsausbruch mit einem Preissprung von fast 60 Prozent den größten Monatsanstieg seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt.

Verhandlungsteams der USA und des Irans werden diese Woche in Doha erwartet. Der Iran erklärte jedoch am Montag, es sei kein Treffen geplant, nachdem Raketenbeschüsse beider Seiten am Wochenende den vorläufigen Waffenstillstand auf die Probe gestellt hatten. "Ich würde nicht sagen, dass der Markt eine Risikoprämie ausgepreist hat, aber zuvor festsitzende Schiffe sind durch die Zunahme der Schiffsbewegungen aus dem Golf wieder verfügbar geworden, was eine vorübergehende Welle neuen Angebots schafft", sagte UBS-Analyst Giovanni Staunovo.

Iranische und omanische Experten werden in den kommenden Tagen Gespräche über die Neudefinition der Transitrouten durch die Straße von Hormus aufnehmen, sagte der iranische Vize-Außenminister Kazem Gharibabadi am Montag im staatlichen Fernsehen. Er fügte hinzu, dass sein Land versuchen werde, Schiffe außerhalb der festgelegten Routen aufzuhalten.

Die US-Bank Morgan Stanley senkte ihre Prognose für den Brent-Preis für 2027 um fünf Dollar auf 75 Dollar pro Barrel in der ersten und 70 Dollar in der zweiten Jahreshälfte. Die Analysten begründeten dies mit der Erwartung eines Anstiegs der kommerziellen Ölreserven in den OECD-Ländern. Morgan Stanley rechnet für 2027 mit einem weltweiten Ölmarktüberschuss von 4,8 Millionen Barrel pro Tag. Händlerkreisen zufolge bietet zudem der Irak Rohöl mit Preisnachlässen an, um Käufer anzulocken.