Je länger die Jobsuche, desto geringer die Chance: Die Aussichten auf eine neue Stelle sinken einer Studie zufolge mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit deutlich. So fällt die Wahrscheinlichkeit, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, von etwa sieben Prozent pro Monat zu Beginn der Stellensuche auf 4,5 Prozent nach einem Jahr. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung des Forschungsinstituts RFBerlin, die der Nachrichtenagentur Reuters vorab vorlag. Die Forscher sprechen von einem Teufelskreis. "Da Personaler zögern, Langzeitarbeitslose zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, reagieren die Arbeitnehmer nach und nach mit weniger Bewerbungen – wodurch ein sich selbst verstärkender Kreislauf der Entmutigung entsteht", sagte Projektleiter Josef Zweimüller.
Die Daten der Studie untermauern diesen Befund. Demnach sinkt die Zahl der monatlichen Bewerbungen im Durchschnitt nach einem Jahr von anfangs elf auf nur noch acht. Gleichzeitig verringert sich die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Bewerbung überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch führt, im ersten Jahr von rund fünf Prozent auf 3,5 Prozent. Einen Lichtblick gibt es für die Betroffenen jedoch: Gelingt es einem Bewerber, zu einem Gespräch eingeladen zu werden, steigen die Chancen auf ein Jobangebot mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit sogar – von etwa 20 Prozent auf mehr als 25 Prozent.
Angesichts der Ergebnisse fordern die Autoren ein Umdenken in der Arbeitsmarktpolitik. "Der übliche politische Ansatz, der Umschulungen für Arbeitnehmer fördert, reicht nicht aus", sagte Aderonke Osikominu, Professorin an der Universität Hohenheim und Mitautorin der Studie. "Zusätzliche Hilfe bei der Arbeitssuche könnte bessere Vermittlungsergebnisse bringen." Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler die Daten von 600.000 Bewerbungen aus, die 15.000 Arbeitslose in der Schweiz verschickten.