Der voraussichtlich künftige britische Premierminister Andy Burnham hat einen radikalen politischen Wandel in Großbritannien versprochen. In einer Rede im People's History Museum in Manchester kündigte er am Montag an, im Rahmen einer zehnjährigen Mission für "gutes" Wachstum mehr Macht an die Regionen zu übertragen und die Zusammenarbeit in der Politik zu stärken. Burnham gilt als Favorit für die Nachfolge von Premierminister Keir Starmer, der in der vergangenen Woche seinen Rücktritt angekündigt hatte. Es wird erwartet, dass Burnham das Amt am 20. Juli übernehmen wird.
Burnham versprach die weitreichendste Umverteilung der Macht in der modernen Geschichte des Landes. Er wolle den Bau von Sozialwohnungen massiv vorantreiben, Kommunen mehr Kontrolle über die Wasserversorgung und andere Versorgungsbetriebe geben sowie die Krise der Lebenshaltungskosten bekämpfen. Zudem plane er, eine Außenstelle des Regierungssitzes unter dem Namen "Number 10 North" in Manchester einzurichten. Burnham betonte jedoch, dass er an den Haushaltsregeln der aktuellen Regierung festhalten wolle, um die Stabilität der Staatsfinanzen nicht zu gefährden. Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen gab während seiner Rede leicht nach.
Die Opposition reagierte mit Skepsis auf die Pläne des ehemaligen Bürgermeisters von Greater Manchester, der am 18. Juni im Wahlkreis Makerfield ins Parlament gewählt worden war. Die Chefin der konservativen Tories, Kemi Badenoch, warf Burnham vor, keinen konkreten Plan vorzulegen. Richard Tice von der rechtspopulistischen Partei Reform UK forderte Neuwahlen und sprach von einem "Putsch", da Burnham ohne ein nationales Votum ins Amt kommen dürfte. Zudem mahnten Wirtschaftsvertreter zur Vorsicht. Die Generaldirektorin der britischen Handelskammer, Shevaun Haviland, erklärte, die größte Herausforderung für jeden künftigen Regierungschef bleibe es, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.