Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hat die Koalitionsentscheidung für ein Attest für Krankschreibungen ab dem ersten Tag verteidigt. "Wir haben mit die höchste Zahl an Krankheitstagen, etwa 18 Krankheitstage im Jahr pro Arbeitnehmer", sagte der frühere Gesundheitsminister am Freitag in der ARD. Man müsse sich die Frage stellen, ob die Deutschen wirklich so viel kränker seien als die Beschäftigten in anderen europäischen Ländern. Kritik von Ärztefunktionären wies er zurück. "Dieselben Ärztefunktionäre, die uns während der Gesundheitsreform vor ein paar Wochen gesagt haben, oh Gott, das wären ja 80 Millionen Arztbesuche pro Jahr weniger, sagen jetzt, es würden zu viele Arztbesuche."

Hintergrund ist die Kritik von Ärztevertretern an der Entscheidung von CDU, CSU und SPD für ein verpflichtendes Attest ab dem ersten Krankheitstag und an der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte darauf verwiesen, dass dies in Betrieben aber anders geregelt werden könne.

Schon heute könnte ein Arbeitgeber ab dem ersten Tag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen, sagte Spahn. "Wer tatsächlich krank ist, der wird seinen Arzt kontaktieren. Der muss übrigens auch nicht ins Wartezimmer, es gibt auch Videosprechstunden, die man mit dem Arzt dann haben kann." Wer tatsächlich krank sei, solle nicht arbeiten. Ansonsten sei es fairer gegenüber Kollegen, im Zweifel vielleicht doch zu arbeiten. Er verwies darauf, dass es an Montagen und Freitagen besonders viele Krankschreibungen gebe. Die Zahl der Krankheitstage habe deutlich zugenommen. "Dann stellt sich tatsächlich die Frage: Ist es vielleicht in Deutschland zu einfach, mit einem Anruf zu sagen, heute komme ich nicht zur Arbeit?" Die Aufregung über die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung sei groß, dabei sei dies eine der kleineren Entscheidungen in dem 34-Punkte-Paket, das unter anderem eine Steuerreform und einen drastischen Bürokratieabbau enthalte.