Der Kurssprung des Münchner Software-Entwicklers Nagarro XETR:NA9 vor der Ankündigung der Übernahme durch den indischen Rivalen Persistent Systems NSE:PERSISTENT könnte ein Fall für die Finanzaufsicht BaFin werden. "Ich erwarte, dass die BaFin das untersucht, und hoffe, dass sie herausfinden, was passiert ist", sagte Nagarro-Chef Manas Human am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aktie seines Unternehmens war am Freitag um fast 20 Prozent nach oben geschnellt, obwohl es keine Medienberichte über eine bevorstehende Übernahme von Nagarro oder andere positive Nachrichten gegeben hatte.
Erst am späten Freitagabend gaben die beiden Unternehmen die Übernahmepläne bekannt. Persistent bietet 81 Euro je Nagarro-Aktie, mehr als das Doppelte des Schlusskurses vom Freitag. Am Montag stiegen Nagarro um 92 Prozent auf 77,60 Euro. Human und sein Persistent-Kollege Sandeep Kalra sagten zu Reuters, sie hätten die mit den Fusionsplänen betrauten Teams möglichst klein gehalten. "Ich wäre sehr schockiert", wenn herauskäme, dass dort Insiderwissen ausgenutzt worden sei, sagte Kalra. Persistent sei von der Investmentbank Barclays und den Anwälten von Hengeler Mueller beraten worden, Nagarro von JPMorgan und der Kanzlei Freshfields.
Die BaFin wollte sich konkret zu dem Vorgang zunächst nicht äußern. Die Wertpapieraufsicht prüfe aber laufend, ob es am Markt Anzeichen für Marktmanipulationen oder die Ausnutzung von Insiderwissen gebe, sagte ein Sprecher.