Die IG Metall hat bundesweit gegen die Pläne zu einer längeren Arbeitszeit bei Mercedes XETR:MBG protestiert. "Während Aktionäre mehr als ordentlich profitieren, sollen die Beschäftigten ihre vertraglich festgeschriebenen Rechte opfern? Sicher nicht! So verspielt man Zukunft und Vertrauen", sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner am Freitag in Düsseldorf. Der Schlüssel für eine starke Autoindustrie liege in Investitionen in zukunftsfeste Produkte, Standorte und Beschäftigte. Dabei sei ein klares Signal der Politik nötig. "Der industrielle Kern dieses Landes darf nicht ausgehöhlt werden", sagte sie. "Wir brauchen eine aktive Industriepolitik, die Transformation absichert - mit Investitionen, klaren Standortzusagen und guten Jobs."

Die Bezirksleiterin der IG Metall in Baden-Württemberg, Barbara Resch, sagte in Rastatt, die 35-Stunden-Woche sei kein Auslaufmodell - gute Tarifverträge seien kein Standortnachteil und Beschäftigte seien keine Verfügungsmasse. Mit der tariflichen Zukunftssicherung seien die Beschäftigten bei Mercedes-Benz in Vorleistung gegangen. Jetzt müsse das Management liefern. In Berlin sagte Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, die Beschäftigten hätten den Konzern stark gemacht. "Längere und unbezahlte Arbeitszeiten sind beschäftigungspolitischer Unfug, retten weder Jobs noch schaffen sie neue Aufträge."

Die Gewerkschaft hatte unter anderem an den Mercedes-Standorten Stuttgart, Untertürkheim, Sindelfingen, Bremen, Rastatt, Berlin, Düsseldorf, Affalterbach und Germersheim zu Kundgebungen aufgerufen. Insgesamt hätten sich 33.000 Beschäftigte an den Aktionen beteiligt. Sie protestierte damit gegen Pläne, die Arbeitszeit zu verlängern und eine Sonderzahlung zu verschieben. Mercedes-Betriebsratschef Ergun Lümali sagte, das Vorgehen des Unternehmens verunsichere und demotiviere. "Wir erleben aktuell eine Belastung nach der anderen: Diskussionen über verlängerte unbezahlte Arbeitszeit, über Einschnitte bei tariflichen Leistungen, über Verlagerung von Produkten und Funktionen sowie Angriffe auf bestehende Arbeitsmodelle."

Auch die Vertreter anderer Unternehmen zeigten sich solidarisch. BMW XETR:BMW-Betriebsratschef Martin Kimmich sagte, wem nichts anderes einfalle, als nach der 40-Stunden-Woche zu schreien, habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Audi-Betriebsratschef Jörg Schlagbauer sprach von einem "abgekarteten Foulspiel der Arbeitgeber". "Wir wissen, wie es weitergehen soll: Erst Stuttgart, dann Wolfsburg, dann München und Ingolstadt." Ähnliche Proteste wie bei Mercedes kündigte die IG Metall für die kommenden Wochen auch bei anderen Autobauern und Zulieferern an.

Die deutschen Autohersteller leiden unter der Krise in China, den Zöllen von US-Präsident Donald Trump und dem immer noch unter dem Vor-Corona-Niveau liegenden europäischen Markt. Der Mercedes-Vorstand verwies darauf, dass die Werkskapazität in Deutschland deutlich über dem Bedarf liegt. BMW senkte zuletzt seine Gewinnprognose und stellte einen Stellenabbau in Aussicht. Auch bei Europas Branchenführer Volkswagen XETR:VOW steht ein weiteres Sparprogramm an, weitere Zehntausende Stellen sind in Gefahr. Am Donnerstag kommender Woche will der VW-Aufsichtsrat über das Vorhaben beraten. Die IG Metall kündigte Widerstand an.