Der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern Roche SIX:RO will die Marktdominanz des amerikanischen Unternehmens Illumina NASDAQ:ILMN im Bereich der Gensequenzierung (Next Generation Sequencing - NGS) angreifen. Mehr als ein Jahrzehnt nach einem gescheiterten feindlichen Übernahmeangebot für Illumina in Höhe von 6,8 Milliarden Dollar bringt Roche seine eigene Gensequenzierungsplattform Axelios 1 auf den Markt.
Die Plattform ermöglicht eine Gesamtgenom-Sequenzierung - die vollständige Entschlüsselung des Erbguts. Nach Firmenangaben sind bereits erste Vorbestellungen eingegangen sein und die Auslieferung hat begonnen, wobei der Schwerpunkt auf Nordamerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum liegt. Zunächst richtet sich das Angebot an akademische und forschungsorientierte Einrichtungen, später soll auch der klinische Einsatz in den Fokus rücken.
Illumina ist zurzeit klarer Marktführer in dem rund 7,3 Milliarden Dollar schweren Geschäft: Schätzungen zufolge hält das Unternehmen einen Anteil von rund 70 Prozent bei Sequenzierungssystemen. Das Ziel von Roche sei es, zunächst 100 Geräte im ersten Jahr zu verkaufen. Das Unternehmen betonte, das Gerät habe auf lange Sicht "Blockbuster-Potenzial", was einem Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar oder mehr entsprechen würde. In den USA soll Roches Axelios 750.000 Dollar kosten. Für Illuminas NovaSeq-X-Systeme werden dagegen etwa 985.000 bis 1,25 Millionen Dollar fällig.
Vontobel-Analyst Stefan Schneider sagte vor dem Verkaufsstart, dass Roches Technologie das Potenzial habe, die Marktführerschaft bei der Sequenzierung zu übernehmen, was jedoch längere Zeit in Anspruch nehmen werde. "Sie sind der 'New Kid on the Block' in dem System und da müssen sie jetzt gut liefern."
Die Frage werde sein, ob Kunden Axelios nach Tests im Forschungsumfeld auf breiter Front einsetzen werden, sagte Evercore-Analyst Vijay Kumar. Das Functional Genomics Center Zurich der ETH Zürich und der Universität Zürich arbeitet mit sechs Sequenziergeräten von Illumina und einem Gerät von Element Biosciences. Catharine Aquino, Leiterin der Genomik-Abteilung am Functional Genomics Center Zurich, sagte, viele größere Labore wie das ihre würden das Roche-Instrument wahrscheinlich zunächst parallel zu bestehenden Geräten betreiben, bevor sie entschieden, ob sie Projekte darauf verlagern. Ein Großteil des Marktes werde das Feedback der ersten Nutzer abwarten, bevor er wechsle, sagte sie und verglich die Plattformabhängigkeit mit anderen Betriebssystemen.
"Es ist wie bei einem Handy - wie Android oder Mac. Wenn man an einen Mac gewöhnt ist, kann man nicht einfach zu Android wechseln (...), man muss seine Apps und all diese Dinge neu installieren."